fairplay Cup der Menschenrechte

    17.09.2022
     

    Artikel aus der wienerzeitung.at 

    fairplay Initiative

    Ein Turnier der anderen Sorte

    Zwei Monate vor der umstrittenen WM in Katar findet in Wien der Cup der Menschenrechte statt

     

     

    Fußball gilt als die schönste Nebensache der Welt. Gerade auch, weil er für gewisse Werte steht. Diskriminierung, Ausbeutung sowie jegliche andere Form von Ungerechtigkeit haben im Spiel mit dem runden Leder keinen Platz. Nicht so im Austragungsland der kommenden Weltmeisterschaft Katar. Im August 2021 berichtete Amnesty International, dass bis zu 15.000 Gastarbeiter, die meisten Arbeitsmigranten aus Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal und Sri Lanka, infolge der Arbeiten an den Baustellen für das Ereignis im Zeitraum von 2011 bis 2020 gestorben sind. Zudem musste ein Großteil der Arbeiter bis zu 84 Stunden pro Woche unter brütender Hitze für Hungerlöhne arbeiten. Das häufig gegen ihren Willen und unter Androhung von Strafen. Schließlich galt es acht Stadien unter hohem Zeitdruck neu zu errichten, damit der Ball im Dezember im Wüstenstaat rollen kann. Auch freie Tage und Urlaub soll es den Berichten zufolge nicht gegeben haben. Dafür aber erpresserische Vermittlungsgebühren, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Weitere Kritikpunkte an der WM-Vergabe nach Katar sind das dortige Verbot von Homosexualität und die fehlende Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männer.

     

    Den Schein gewahrt

     

    In den Wochen nach der Vergabe im Jahr 2010 wäre ein Entzug der WM möglich und auch zu rechtfertigen gewesen. Knapp zwei Monate vor Start ist ein Boykott ganzer Länder unwahrscheinlich. Aufrufe von Fans, Äußerungen von Verantwortlichen und Spielern könnten aber zur Folge haben, dass die Mächtigen des Weltfußballs künftig klarer Stellung beziehen. Sollen globale Sportereignisse nur in Demokratien stattfinden? Welche Bedingungen müssen im Land vorherrschen? Wer leidet unter dem Event? Das sind Fragen, die es vor einer Vergabe eines Großereignisses zu stellen gilt. Veranstalter Katar fühlt sich indes als Sündenbock. Immer wieder ist von Verantwortlichen der Fifa und aus dem Land selbst zu hören, dass die Lage woanders auch nicht besser oder noch schlimmer gewesen sei. Dass es nicht um die Frage geht, in welchen anderen Ländern die Umstände für ein Fußballfest ähnlich umstritten waren, scheint noch nicht angekommen zu sein. Ebenso nicht, für welche Werte Sport, in diesem Fall Fußball, eigentlich stehen soll. Weltweit gibt es jedenfalls bereits erste Alternativ-Veranstaltungen zur Weltmeisterschaft in Katar. So auch in Wien - mit dem Cup der Menschenrechte.

     

    Zurück zu den Leuten

     

    Beim Turnier in der Rustenschacherallee darf jeder und jede mitspielen. Organisiert wird das erstmals stattfindende Event von der Initiative "fairplay", der Spielergewerkschaft "Vereinigung der Fußballer", dem migrantischen Sport- und Kulturverein "Neuer Start", der internationalen Sportbewegung "Mamanet" sowie der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. "Ziel des Cups ist es unter anderem, den Sport wieder auf den Boden zu holen. Weg von den großen Unternehmen und zurück zu den Leuten", erklärt Hanna Stepanik, "fairplay"-Bereichsleiterin. "Diaspora-Communities und Gruppen, die in Katar auf den WM-Baustellen ausgebeutet wurden, die von Homophobie und Geschlechterdiskriminierung betroffen sind oder deren Rechte auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit beschnitten wurden, sollen beim gemeinsamen Fußballspielen für Menschenrechte zusammenkommen." Neben einem Kleinfeldfußballturnier, bei dem acht Teams an den Start gehen, gibt es auch einen Cricket-Bewerb und eine Mamanet-Cachibol-Mitmachstation, bei der Frauen spontan teilnehmen können. Cachibol ist eine international anerkannte Ballsportart, die ihren Ursprung in Israel hat und wie Volleyball gespielt wird, nur dass der Ball gefangen werden darf. Neben Musik und einer Kinderbetreuung wird auch Ex-Rapid-Tormann Richard Strebinger vor Ort sein und für Interessierte ein öffentliches Training halten. Beim Turnier selbst stehen die Teams nicht in Konkurrenz. Den Cup der Menschenrechte bekommt schließlich jene Mannschaft, die den Menschenrechtsgedanken am besten repräsentiert.

     

    von Markus Lösel