TABELLE DER ANDEREN ART 2025/26
Erstmals machen die Spielerinnen selbst sichtbar, wie sie ihren Vereins- und Arbeitsalltag erleben. Austria Wien führt die Premierenwertung vor Salzburg und dem LASK an. Die Ergebnisse zeigen auch deutliche strukturelle Unterschiede.
VdF – Die Spielervereinigung | 24. August 2026
Was Spielerinnen täglich erleben, steht in keiner sportlichen Tabelle. Ob Gehälter pünktlich kommen, Verträge klar sind, die medizinische Betreuung funktioniert oder die Infrastruktur professionellen Ansprüchen genügt, entscheidet jedoch wesentlich über ihren Alltag. Genau diese Perspektive macht die VdF – Die Spielervereinigung nun erstmals auch in der ADMIRAL Frauen Bundesliga sichtbar.
Für die Saison 2025/26 bewerteten insgesamt 100 Spielerinnen ihren eigenen Klub freiwillig und anonym in zehn Kategorien auf einer Skala von 0 bis 10. Aus den zehn Bereichen wird ein Gesamtwert von maximal 100 Punkten gebildet. Weil die Spielerinnen des SCR Altach nicht an der Umfrage teilgenommen haben und der USV Neulengbach den Spielbetrieb seiner Frauenmannschaft eingestellt hat, umfasst die veröffentlichte Premierenwertung acht Klubs.
Austria gewinnt die Premiere – Salzburg knapp dahinter
Der FK Austria Wien erreicht 79,1 Punkte und gewinnt damit die erste „Tabelle der anderen Art“ der Frauen-Bundesliga. Nach Meisterschaft und Cupsieg liegt die Austria damit auch in jener Tabelle vorne, die den Vereinsalltag aus Sicht der Spielerinnen misst. Der FC Red Bull Salzburg folgt mit 77,8 Punkten nur 1,3 Punkte dahinter. Der LASK komplettiert das Podium.
Der Gesamtsieg der Austria beruht vor allem auf einem ausgeglichenen Gesamtergebnis: In keiner Kategorie fällt der Wert unter 6,9 Punkte. Die Wienerinnen führen bei der täglichen vorsorglichen medizinischen Betreuung (8,4), bei der Qualität der Ausrüstung (8,0), bei der Organisation der Auswärtsreisen (8,9) sowie bei der Unterstützung durch den Klub in der Öffentlichkeitsarbeit (7,9).
Salzburg erzielt sogar in sechs von zehn Bereichen den jeweiligen Bestwert. Besonders hoch bewerten die Spielerinnen die Pünktlichkeit der Gehaltszahlungen (9,9), die Klarheit und Einhaltung der Verträge (9,1) sowie die Infrastruktur (8,8). Schwächere Werte bei der täglichen medizinischen Betreuung (5,8) und der Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit (5,2) kosten jedoch Punkte in der Gesamtwertung.
Hinter der Spitze öffnet sich eine Lücke
Zwischen Salzburg auf Rang zwei und dem drittplatzierten LASK liegen bereits 12,3 Punkte. Es folgen der SKN St. Pölten (61,1), die SpG Südburgenland/TSV Hartberg (58,8), der FC Blau-Weiß Linz/Kleinmünchen (56,5), SK Sturm Graz (55,2) und der First Vienna FC 1894 (54,0). Insgesamt liegen zwischen Platz eins und Platz acht 25,1 Punkte.
Nicht bewertet: Der SCR Altach nahm aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Befragung teil.
Eine Teilnahme des USV Neulengbach war nach der Einstellung des Frauenfußballbetriebs nicht mehr möglich.
Was die Spielerinnen ligaweit positiv bewerten
Der stärkste Bereich ist die Pünktlichkeit der Gehaltszahlungen. Der gleich gewichtete Durchschnitt der acht Klubwerte beträgt 8,19 Punkte. Die Vertragsklarheit folgt mit 7,60, die Organisation der Auswärtsreisen mit 7,36. Diese Werte zeigen, dass wesentliche Grundlagen an vielen Standorten funktionieren.
Der Durchschnitt verdeckt allerdings Unterschiede. Bei der Gehaltspünktlichkeit reicht die Bewertung von 9,9 Punkten in Salzburg bis zu 5,2 Punkten beim SKN St. Pölten. Gerade bei einer Grundvoraussetzung jedes Arbeitsverhältnisses ist diese Spannweite ein ernst zu nehmendes Alarmsignal.
Ausrüstung, Öffentlichkeit und Infrastruktur als Arbeitsfelder
Am schwächsten bewerten die Spielerinnen die Angemessenheit der bereitgestellten Ausrüstung. Der Klubdurchschnitt liegt bei 5,13 Punkten. Es folgen die Unterstützung des Vereins bei der Öffentlichkeitsarbeit mit 5,24, die Infrastruktur mit 5,56 sowie der Informationsaustausch zwischen sportlicher Leitung und Mannschaft mit 5,63.
Besonders groß sind die Unterschiede bei der Infrastruktur. Während Salzburg 8,8 Punkte erreicht, kommt die Vienna nur auf 1,8. Auch Sturm Graz (2,8) und die SpG Südburgenland/TSV Hartberg (3,7) bleiben deutlich unter dem Mittelwert. Die Ergebnisse zeigen, wie verschieden Spielerinnen ihre Bedingungen innerhalb derselben Spielklasse erleben.
„Professioneller Frauenfußball beginnt bereits bei klaren Verträgen, pünktlichen Gehaltsauszahlungen, verlässlicher medizinischer Betreuung und einer Infrastruktur, die Leistung ermöglicht. Daran messen die Spielerinnen ihre Klubs. Die Spannweite von 25,1 Punkten zeigt: Sportlich spielt die Liga unter einem gemeinsamen Dach, bei den täglichen Arbeitsbedingungen aber noch nicht überall auf demselben Niveau.“
Christos Papadimitriou, Women’s Football Coordinator der VdF
Eine Premiere mit Konsequenz
Die „Tabelle der anderen Art“ soll weder Vereine öffentlich aburteilen noch Probleme beschönigen. Sie schafft einen geschützten Raum, in dem Spielerinnen ihren Arbeitsalltag bewerten können, ohne sich einzeln exponieren zu müssen. Für die Klubs ist sie Anerkennung und Vergleichsmaßstab, aber auch eine Grundlage, um Verbesserungen bei den täglichen Arbeitsbedingungen für die eigenen Spielerinnen anzustoßen.
Die zehn Bewertungsbereiche im Überblick
Gleich gewichteter Durchschnitt der acht veröffentlichten Klubwerte.
Zur Methodik
Die Spielerinnen bewerteten zehn Bereiche freiwillig und anonym auf einer Skala von 0 bis 10. Der Gesamtwert ergibt sich aus der Aggregation der zehn Kategorie-Mittelwerte. Gesamt- und Kategorie-Werte werden getrennt gerundet, weshalb die Summe der sichtbaren Einzelwerte geringfügig abweichen kann. Für die ligaweiten Vergleiche geht jeder der acht veröffentlichten Klubwerte gleich gewichtet ein.